Tipps Flexirentengesetz

Nebenjob bei Frührente ist abgabenpflichtig

6300 Euro pro Jahr dürfen Frührentner nun hinzuverdienen, ohne dass ihre Rente gekürzt wird, 525 Euro pro Monat also. Das klingt gut. Doch wer seine Rente aufbessern will, sollte auch an Steuern und Sozialversicherungsbeiträge denken. 

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Sich neben der Rente etwas dazuverdienen ist kein Problem. Nur sollte man die anfallenden Abgaben bedenken.

Wer eine vorzeitige Rente bekommt, kann seit Mitte 2017 Hinzuverdienst und (Teil-) Rente flexibler miteinander kombinieren. Wie viel man als (Neben-)Einkommen erzielt, kann stufenweise den eigenen Wünschen und Möglichkeiten angepasst werden. Entsprechend sinkt die Rente dann mit steigendem Hinzuverdienst. Dabei sind fast beliebig viele Kombinationen von Rente und Verdienst möglich. Dafür sorgt das sogenannte Flexirentengesetz.

Neue Freigrenze bei der Frührente: 

Wer das reguläre Rentenalter erreicht hat, darf beliebig viel hinzuverdienen – ohne dass seine Rente gekürzt wird. Für Frührentner sind jedoch nach wie vor nur gering bezahlte Jobs anrechnungsfrei. Die Regelung hat sich allerdings geändert. Früher durften Bezieher eines vorgezogenen Altersruhegeldes 450 Euro monatlich ohne Probleme hinzuverdienen. Dann waren weder Abzüge von der Rente noch vom Arbeitsentgelt zu befürchten. Nun sind innerhalb eines Jahres 6300 Euro Hinzuverdienst erlaubt, ohne dass die Rente gekürzt wird. Auf einen Monat umgerechnet sind das 525 Euro. Das sieht aber nur auf den ersten Blick erheblich günstiger aus.

Andere Freigrenzen bei Sozialversicherung:

Denn wer heute die neue Freigrenze ausschöpft und jeden Monat 525 Euro brutto zu seiner Frührente hinzuverdient, muss auf jeden Fall Abgaben zahlen. Bei der Minijob-Regelung hat sich nämlich nichts geändert. Hier gilt weiterhin die niedrigere 450-Euro- Grenze, bis zu der keine Sozialabgaben und Steuern gezahlt werden müssen. Bei einem 525-Euro-Job fallen aber Sozialbeiträge an – allerdings verminderte, da es sich um eine Beschäftigung in der sogenannten "Gleitzone" handelt. Zudem ist die Beschäftigung steuerpflichtig. Ob überhaupt und wie viel Steuer anfällt, hängt natürlich von der Konstellation des Einzelfalls ab. Bei einem Frührentner- Ehepaar mit Rentenbezügen von monatlich insgesamt 3000 Euro kann die Steuer bei einem zusätzlichen Brutto-Hinzuverdienst in Höhe von jährlich 6300 Euro schon mit 1000 Euro zu Buche schlagen. Wer aufgrund der Höhe seiner Rente und möglicherweise noch zusätzlicher Einkünfte – etwa aus Vermietung oder Verpachtung – ohnehin mit einer deutlichen Steuerbelastung rechnen muss, sollte als Frührentner den 6300-Euro- Rahmen nicht ausschöpfen und es bei einem "klassischen" (steuerfreien) Minijob lassen. Dabei sollte man wissen: Bei einem Minijob muss es nicht bei 450 Euro im Monat bleiben. Es gibt eine Reihe von steuer- und sozialversicherungsfreien Zuschlägen und Sonderleistungen, die der Arbeitgeber zahlen kann. Dies gilt etwa für Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit. Soweit die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Betrieb diese Leistungen erhalten, haben auch Minijobber hierauf einen Rechtsanspruch.

Nicht kleckern, sondern klotzen:

Manche Frührentner möchten jedoch durch ihren (Neben-)Job ihre Rente nochmals steigern. Das geht prinzipiell. Aber hierbei hilft ein kleiner Job auch nicht viel. Besser fahren Frührentner, wenn sie zum Beispiel mit einer halben sozialversicherten Stelle weiterarbeiten. Dann verdienen sie zwar weniger als vorher, können aber zum Arbeitseinkommen noch einen Teil der Rente erhalten. Das wirkt sich auf die spätere Vollrente gleich zweifach aus: Zum einen fallen die Rentenabschläge nur auf den Teil der Rente an, der tatsächlich neben dem Job in Anspruch genommen wird. Bei dem Teil, der nicht in Anspruch genommen wird, gibt es dann später auch keine Abschläge. Zum anderen erhöht sich die spätere Rente nochmals, weil ja während des Teilzeitjobs auch weiter Versicherungsbeiträge eingezahlt werden. Beide Effekte usammengenommen können bei einem Bruttoeinkommen von etwa 1800 Euro einem Durchschnittsrentner später ein Rentenplus von monatlich rund 35 Euro bringen – pro Jahr der Weiterbeschäftigung. Wer die Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch nimmt, dessen Rentenplus ist kleiner, da hierbei ohnehin keine Abschläge anfallen. Beim Zuverdienst gilt also: entweder kleckern oder klotzen. Entweder man belässt es bei einem Minijob, wenn es einem nur darauf ankommt, als Rentner aktuell etwas mehr Geld zur Verfügung zu haben. Oder man verdient gleich »ordentlich « hinzu. Dann kann man später noch mit einer deutlichen Erhöhung seiner Rente rechnen.

Bei Teilrente:

Betriebsrente im Blick haben Wer neben einem vorzeitigen Altersruhegeld hinzuverdienen will, sollte auch seine Betriebsrente im Blick haben. In Paragraf 6 des Betriebsrentengesetzes ist nämlich geregelt, dass die Leistungen der betrieblichen Altersversorgung eingestellt werden können, »wenn die Altersrente auf einen Teilbetrag beschränkt wird«. Gleiches gilt bei Wegfall der Altersrente wegen eines zu hohen Hinzuverdienstes. Vor der Entscheidung für eine Teilrente sollte man sich deshalb beim jeweiligen Träger der betrieblichen Vorsorge nach den möglichen Folgen für die Betriebsrente erkundigen.

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